Traumatherapie / EMDR
Traumatherapie / EMDR

Traumatherapie / EMDR

EMDR = EYE MOVEMENT DESENSITIZATION REPROCESSING

EMDR ist ein sehr wirksames traumatherapeutisches Verfahren, das in eine Psychotherapie eingebunden ist.
Übersetzt heisst „eye movement desensitization reprocessing“ so viel wie „Augenbewegung Desensibilisierung Neuprogrammierung“.
Francine Shapiro aus den USA hat die Methode in den 80ger Jahren entwickelt. Es wird immer wieder die Geschichte erzählt, dass sie auf einem Spaziergang durch Zufall entdeckte, dass belastende Gedanken sich reduzieren, wenn die Augen sich dabei hin und her nach links und rechts bewegen. Das hat sie so neugierig gemacht, dass sie das Phänomen ausführlich erforscht hat. Seit 2015 ist EMDR sogar als Teil einer Psychotherapie bei den Krankenkassen anerkannt. 

Hier ein kurzer Einblick in den Ablauf:

EMDR ist ein klar strukturiertes Verfahren mit 8 Punkten. Zunächst wird, wie in jeder anderen Psychotherapie auch, eine ausführliche Anamnese erhoben. Darunter versteht man, dass alle wichtigen Aspekte der individuellen Vorgeschichte erfragt werden.

Im Anschluss daran wird eine positive Ressource (ein individueller „sicherer Ort“ oder auch ein „Wohlfühlort“) innerlich für den Klienten etabliert, um dann aus der eventuell zu stark belastenden Trauma Erfahrung wieder aussteigen zu können. Eine Klientin stellte sich immer eine Höhle am Strand vor, vor der sie saß und auf die Wellen schaute. Sie beschrieb, dass sie Möwen am Himmel sehen und den salzigen Geruch des Meeres riechen konnte. In der Höhle befand sich eine Kochstelle und ein Kühlschrank voll mit ihren Lieblingsgerichten.

In der nächsten Phase wird zur späteren Bearbeitung eine repräsentative Situation innerhalb der belastenden Traumaerfahrung ausgewählt, der sogenannte „schlimmste Moment“. Wenn wir uns zum Beispiel einen Autounfall vorstellen, könnte das der Moment sein, wo wir das entgegenkommende Auto und den Gesichtsausdruck des Fahrers wahrnehmen.                                                                    

Nun suchen Therapeutin und Klientin eine negative, verallgemeinernde Grundüberzeugung über sich selbst (wir nennen das die negative Kognition, abgekürzt NK genannt) und wählen diese aus. In dieser Situation mit dem Auto könnte das ein Satz sein wie „ich bin in Lebensgefahr“ oder „ich sterbe“. Im Anschluss daran wird die subjektiv erlebte Belastung auf einer Skala von 0 bis 10 bewertet.

Danach wird eine positive Ziel Ressource formuliert. Das kann ein Satz sein wie z. B. „ich kann die Situation beeinflussen.“ Wir nennen das die positive Kognition (PK). Erst dann erfolgt die eigentliche EMDR-Behandlung. Während sich die Klientin die Trauma Erfahrung innerlich noch einmal vorstellt, folgt sie mit ruhig gehaltenem Kopf mittels Augenbewegungen den meist schnellen Handbewegungen der Therapeutin. Wenn im Laufe des Prozesses Erleichterung auftritt, wird diese am Ende der Behandlung durch langsame Augenbewegungen verankert. Ziel ist die vollständige Reduzierung der Belastung. Außerdem wird auf ein mögliches Nachprozessieren, z.B. in Träumen hingewiesen.

 Diese Methode der bilateralen, zweiseitigen Stimulation kann anhand von Augenbewegungen eingesetzt werden. Sie kann taktil zum Einsatz kommen, durch sogenanntes „Tapping“. Dabei wird von der Therapeutin, zum Beispiel auf den Handrücken, abwechselnd rechts und links getippt oder die Klientin tippt selber auf den Knien. Bilaterale Stimulation ist auch akustisch möglich mit Kopfhörern und langsamer bilateraler Musik. Die Musik hat meist ein langsames Tempo, das am Ruhepuls orientiert ist (Tempo 60). Das ermöglicht, dass sich die Klienten gleich entspannen und dadurch besser in die Verarbeitungsprozesse einsteigen können.

Bilaterale Stimulation ist uns aus unserem Alltag, z.B. beim Gehen vertraut.  Wir können beobachten, wie unterschiedlich es sich anfühlen kann, wenn wir belastende Themen auf einem Spaziergang, wo wir einen Fuß nach dem anderen aufsetzen, mit jemandem besprechen oder wenn wir dabei ruhig auf einem Stuhl sitzen.

Wir können auch erleben, wie angenehm beruhigend es sein kann, wenn wir mit unseren Händen über Kreuz langsam auf unseren Oberarmen abwechselnd links und rechts klopfen.

Die Entstehung eines Traumas ist ein sehr komplexer Vorgang, bei dem die Erinnerung häufig „eingefroren“ wird, um nicht in Kontakt zu kommen mit den damit verbundenen überlastenden und überfordernden Gefühlen. Das kann zu einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) führen mit Symptomen wie Alpträumen, Flashbacks, Depressionen, eingeschränkter Belastbarkeit, etc.
EMDR kann helfen, diesen „Verarbeitungsstau“ wieder in Fluss zu bringen und die überlastenden Gefühle zu integrieren.
EMDR kann eingesetzt werden bei sogenannten Einmaltraumata und bei Komplextraumata. (Unfälle, Umweltkatastrophen, sexueller Missbrauch, Überfälle und auch bei Ereignissen wie Krieg, körperlicher Gewalt, der Tod einer nahestehenden Person, Flugangst, Lampenfieber etc.)

LAMPENFIEBER MIT EMDR BEARBEITEN

Kennen Sie das auch? Sie wollen vor Publikum eine Rede halten, ein Lied singen oder Ihr neues Seminarprogramm vorstellen und verspüren in sich das dringende Bedürfnis, jetzt doch lieber ein Ticket nach Paris zu buchen oder den schon immer erträumten Baliurlaub sofort anzutreten, vielleicht essen Sie vor lauter Aufregung Schokolade und Mohrrüben gleichzeitig oder Sie können gar nichts mehr zu sich nehmen, die letzten Nächte haben Sie schlecht geschlafen oder gar nicht oder, oder……

Als Musikerin, Texterin und Komponistin kenne ich es sehr gut, auf der Bühne zu stehen und meine Welt musikalisch zu präsentieren. Daher ist mir auch das Lampenfieber aus eigener Erfahrung bekannt.
Lampenfieber taucht bei vielen sich in der Öffentlichkeit präsentierenden Menschen auf (Schauspieler, Musiker, Artisten, Seminarleiter, Lehrer, Manager, etc., aber auch bei Menschen, die ein besonderes Ereignis, bei dem sie sich präsentieren wollen, vor sich haben.), mehr oder weniger stark.

Die EMDR Methode ist auch hier eine Möglichkeit, Lampenfieber zu bearbeiten, die Überzeugungen, die dem inneren Streß zugrunde liegen, aufzudecken und sie mit den Techniken des EMDR (bilaterale Stimulation) zu bearbeiten.

BRAINSPOTTING

Brainspotting ist ein tiefenpsychologisch fundiertes Verfahren zur Traumaverarbeitung, das 2003 von dem New Yorker Psychoanalytiker David Grand entwickelt wurde. Brainspotting knüpft an die Traditionen von Somatic Experiencing und EMDR an. Bevor David Grand Brainspotting entwickelte, setzte er sich ausführlich mit EMDR auseinander. Er reduzierte die Geschwindigkeit der Augenbewegungen, um den Parasympathikus für die EMDR-Traumaverarbeitung zu aktivieren und den Patienten zu ermöglichen, entspannt in die Sitzung hineinzugehen.

Ebenso entwickelte er bilaterale Musik, die man mit Kopfhörern hören kann und die abwechselnd das rechte und das linke Ohr ansteuert. Das geschieht im Tempo 60, was die Herzfrequenz in der Ruhe widerspiegelt.

David Grands Brainspotting Methode ist sehr behutsam und genau bei der Steuerung der Traumaverarbeitung.

Die Idee dazu kam ihm während einer EMDR-Sitzung mit einer Klientin. Er entdeckte, dass an einem bestimmten Punkt im Gesichtsfeld seiner Klientin ihre Augen zu zucken anfingen und ihr Blick erstarrte. Grand hielt mit seiner Hand an dieser Position inne und löste dadurch eine Verarbeitung alter sowie noch unbekannter Traumata bei seiner Klientin aus. Dies wiederum, brachte deutliche Fortschritte in der Therapie seiner Klientin mit sich.

Brainspotting geht davon aus, dass eine neurologische Verbindung von Blickrichtung und psychischen Inhalten besteht. Laut David Grands Theorie ermöglicht Brainspotting einen assoziativen Zugang zu einem neuronalen Netzwerk, das emotionale Erfahrungen im Gedächtnis speichert. David Grand sagt, dass Brainspotting den Körper befähigt, sich selbst von posttraumatischen Störungen zu heilen.

EGO STATE THERAPIE

Die Ego State Therapie wurde von John und Helen Watkins entwickelt. Sie ist eine traumatherapeutische Methode. Menschen, die eine schwere seelische Verletzung erfahren haben, wie das bei einem Trauma der Fall ist, entwickeln unbewusst zu ihrem Schutz Abwehrmechanismen. Diese Mechanismen schützen sie vor Schmerz- und Angstgefühlen, die mit der seelischen Verletzung verbunden sind. Die „Ich“ Anteile, die sich entwickelt haben, sind teilweise wie eigenständige Persönlichkeiten, mit eigenen Gedanken, Gefühlen und Wahrnehmungen. Die Ego State Therapie hilft, diese Persönlichkeiten besser kennenzulernen, zu benennen und zu verstehen und sie in die Gesamtpersönlichkeit zu integrieren.